Q2-13-PA-L1-16 (Vorjahr)

Ergebnisse
Lernwochenende

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Qualifikationsphase 2.2 - Demokratische Identität

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(5) Nachträge zu inhaltlichen Vorgaben
(a) Lernzielentwicklung zwischen 49 und 89
(b) Professionalisierung
(c) WEB 2.0: Texte: T1: Süchtig nach Anerkennung - T2: Hassverbrechen - T3: Digitalisierung schon in der KITA? - T4: Massenspaltungsmedium
(d) Bildungsbegriff als Ergebnis unserer Gesamtüberlegungen

(a) Text und Präsentation
(b) Text und Präsentation
(c) Medienpass NRW + Link
(c) Texte: T1 - T2 - T3 - T4

(d) Bildungsbegriff

(4) Demokratisches Rollenspiel und demokratische Grundqualifikationen (Krappmann)
Lothar Krappmanns Überlegungen bilden nun den Abschluss. In seinem Buch "Soziologische Dimensionen der Identität" mit dem Untertitel "Strukturelle Bedingungen für die Teilnahme an Interaktionsprozessen" hat er untersucht, wie Gesellschaft und Gesellschaftsmitglieder strukturiert sein müssten, damit das in der Praxis gelingen kann, was wir in der 12 als Meads Ideal kennengelernt haben.
Die Grundqualifikationen Krappmanns machen sehr praktisch deutlich, wie man mit seinen Mitmenschen kommunzieren sollte, damit ein gleichberechtigtes, friedliches und freies Miteinander möglich ist. Hier gibt es auch einen unmittelbaren Zusammenhang mit unseren Überlegungen zum Thema "Interkulturelle Pädagogik", zu der wir ja gesagt und erkannt hatten, dass in globalisierten Zeiten jede Pädagogik interkulturelle Pädagogik sein muss. Unser Kernsatz dazu war ja, dass demokratische Bildung und demokratisches Wollen nur dann erreicht werden kann, wenn in der alltäglichen, zumindest erzieherischen und schulischen Praxis, sich immer wieder erweist, dass eine Praxis, die auch dem Anderen seine Wahrheit lässt, die coolere Lebensart ist, zu der man sich freiwillig entscheidet und bekennt.
Wissen um Demokratie hilft nichts. Können von Demokratie macht noch kein Wollen von Demokratie. Die Krappmannschen Grundqualifikationen helfen aber dabei, Demokratie zu können. Dann kann sie klappen und man will sie auch.

Ausgangspunkt Mead

Vorüberlegung:
Ordnung von
außen oder innen


Basistext, Krappmann

dazu:
Rollenkonzepte
Ich-Identität
Entwicklung der Identität

Netz der Grundqualifikationen

Matrix der Grundqualifikationen
Theoriestrukturfolie

Qualifikationsphase 2.1 - Demokratie in Erziehung und Bildung

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(3) Demokratie, gelebt und gefördert in der Moralentwicklung
Die vorherigen Themen, interkulturelle Pädagogik und Demokratieförderung in Schule am Beispiel von Alternativschulen, münden nun in das Thema Moralentwicklung mit besonderem Blick auf Kohlberg. In der globalen Welt ist Moral ein Thema, zu dem es nicht mehr die tendenziell eine, z.B. christliche Antwort gibt. Was moralisch erlaubt ist, ist umstrittener den je. Gewiss kann man sich rasch darauf einigen, dass die Taten des IS unmoralisch sind, auch wenn die IS-Kämpfer dazu ganz anderer Meinung zu sein scheinen. Kohlbergs Theorie zur Moralentwicklung betrachtet zunächst einmal, wie sie überhaupt Moral bei uns von Anfang an entwickelt. Seine Theorie gilt so gesehen eingangs für alle Kulturen. Wir wachsen zunächst in der Eltern auf und zunächst ist für uns moralisch gut und böse, was für die Eltern gut und böse ist. Welcher Religion oder Kultur die Eltern angehören, spielt dabei keine Rolle. Das hatten wir ja auch schon bei Lessings Ringparabel gesehen. Dort sahen wir, dass aus dieser Perspektive zunächst einmal jeder das Recht hat bzw. keine andere Möglichkeit hat, genau das für gute und böse zu halten, was die Eltern für gut und böse halten.
Das ist bei Kohlberg die präkonventionelle erste Phase. Das Konventionelle der Moral ist dem Kind noch nicht sichtbar. Es lebt in der einen Moralwelt der Eltern. Dann kommt die konventionelle Phase. Es wird sichtbar, dass Moral etwas Konventionelles ist, etwas das auf Übereinkunft beruht, nicht ewig gültig und somit veränderbar ist. Hier werden die Autoritären schon Widerspruch erheben. Gewiss gebe wohl Konventionen, aber z.B. die Relgionsführer wüssten, was auf keinen Fall verhandelbar ist. So wird der Andersgläubige oder der sog. Ungläubige rasch zum schlechteren Menschen. Das Tor zur Barbarei öffnet sich. Bei Kohlberg bleibt es jedoch fest geschlossen. Anhand von Dilemma-Debatte wird deutlich, dass jeder - zumindest in unserem demokratischen Kulturkreis - in der letzten Phase der postkonventionellen Phase erkennt , dass es am Ende immer darauf ankommt, zu den vielschichtigen moralischen Fragen eine eigenständig verantwortbare eigene Position zu haben. Keiner kann sich hinter vermeintlich sicheren Regeln verstecken, jeder muss moralisch Farbe bekennen und seine Position mit in den Diskurs einbringen, der die koventionelle Moral fortentwickelt. Seyran Ates würde sagen, der die transkulturellen Werte fortschreibt.
Entsprechen fordert Kohlberg für Schule das, was er in seinem Just-Community-Konzept vorstellt. Er will eine Schule, die anders als unsere existierende Schule, die meisten Schulfragen basisdemokratisch selbst entscheidet. Schüler, die die Schule verlassen, sollen im Schulleben erfahren haben, dass mithilfe eines Schulparlamentes und mithilfe von gewählten Justizkommitees das Schulleben nicht von außen, sondern von innen heraus erfolgreich steuerbar ist. Genau das hatten wir auch schon beim Thema interkulturelle Pädagogik als Leitsatz entwickelt, dass man nur zum Demokraten wird, wenn man erlebt, dass Demokratie funktioniert. Denn Demokrat wird man nur freiwillig.

(2) Demokratie, gelebt und gefördert in der Schule (PISA/Alternativschulen)
Beim Thema (1) haben wir eine klare Vorstellung davon entwickelt, dass Demokratie im Kern stets meint, dass man den Begriff der absoluten, der einen Wahrheit verabschieden muss, damit es überhaupt Sinn macht, miteinander demokratisch zu diskutieren. Nur wenn der Andere auch Recht haben könnte, macht es Sinn mit ihm zu reden. Dann betrachten wir ihn als jemanden, der uns weiterhelfen könnte, so wie wir ihm weiterhelfen könnten. Dann ist gegenseitiger Respekt logisch. Dann ist meine Freiheit bis zur Grenze der Freiheit der Anderen, weil die Anderen auch so denken und handeln, abgesichert und hat eine Zukunfstperspektive. Und genau das muss Schule erlebbar machen, dass diese Art demokratisch miteinander zu leben, die coolere Lebensart ist, die Lebensart, der sich Beteiligte gerne freiwillig anschließen wollen, auch wenn sie zunachst einmal mit einer Wahrheit zuhause groß geworden sind (s.a. Thema. Kohlberg, das noch folgt).
Was dass nun in Schule heute konkret bedeutet, ist nun hier das Thema:
Zunächst werfen wir einen historischen Blick in DDR, denn kann sichtbar werden, was geschieht, wenn vom Staat eine Wahrheit vorgegeben ist. Den Film "Das Leben der Anderen" sahen wir dazu vor den Ferien. Nun werfen wir einen Blick in Staatsbürgerkunde Bücher der DDR. Das Fach Staatsbürgerkunde gab es dort von der 7. bis zur 10. Klasse. Wir sehen in Bücher der 7. und 9. Klasse und untersuchen arbeitsteilig, was man in der DDR in Staatsbürgerkunde wissen, können und wollen sollte.
Eure Ergebnisse zeigen deutlich, dass jeder Unterricht in Staatsbürgerkunde darauf hinauslief, die politischen und historischen Ereignisse so zu deuten, dass die sozialistisch kommunistische Sicht als einzig wahre übrig blieb. Alles Wissen wurde so eingeordnet, alles Können darauf abgestellt, genau dieses eine Wissen beispielhaft anzuwenden, alles Wollen wurde so vorgegeben, dass jeder sich der Führung der Arbeiterklasse durch die SED auf dem Weg zum Sozialismus und Kommunismus anzuschließen hatte. Wer das nicht tat, z.B. nicht bei den jungen Pionieren und dann bei der FDJ mitmachte, geriet ins gesellschaftlich Abseits, wurde zum Feind und dann so behandelt, wie wir es z.B. im Film "Das Leben der Anderen" gesehen haben.

So sehen wir in ehemaligen DDR einen Staat, der seine Bürger nicht fragt, wohin ihr Weg soll. An der für die ganze DDR verpflichtenden einen Reihe von Staatskundebüchern wird klar, dass alle in eine Richtung denken und handeln sollten. Der Titel der gerade im Hans-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum laufenden Ausstellung über die Staatssichrheit in der DDR "Feind ist, wer anders denkt" macht in aller Kürze klar, was eine Diktatur ausmacht. "Freund ist, wer anders denkt" wäre dann der Titel, den eine Ausstellung zur Demokratie tragen müsste. Denkt man so, dann kann es nicht wie in der DDR um den einen vorgeschriebenen Weg für alle in der Gesellschaft gehen, sondern es muss darum gehen, mangels der einen Wahrheit und angesichts der vielen Wahrheiten der Individuen immer wieder demokratisch neu zu bestimmen, was nun der gemeinsame Weg sein soll. Um so stets neu den nun besseren Weg zu finden, benötigt man die Vielfalt der Vorschläge der andersdenkenden demokratischen Individuen: Je vielfältiger die Vorschläge, um so besser die möglichen Lösungen.
Mit Blick auf den allgemeinen Teil der Richtlinien für die Schulen in NRW sowie entsprechende Passagen der Landesverfassung NRW und mit Blick auf unsere Ergebnisse zum Them interkulturelle Pädagogik bearbeiten wir die Frage, auf welche obersten Lernziele es denn in einem demokratischen Staat geht, in dem Freund ist, wer anders denkt.

Dann sehen wir der Film "Treibhäuser der Zukunft", einen Film über Reformschulen in Deutschland, und untersuchen, welche Lerninhalte, Methoden, Verfahren und Schulorganisationsformen am besten zu obersten demokratischen Lernzielen passen und machen aus dieser Sicht Vorschläge für eine ideale demokratische Schule.

(1) Demokratie, gelebt und gefördert im Zusammenleben der Kulturen (Lessing, Dahrendorf, Ates)
Interkulturelle Pädagogik, dieses Thema ist vor allem in Zeiten der Flüchtlingskrise ein vielfach diskutiertes Thema. Aus pädagogischer Perspektive geht es nicht darum, z.B. Frau Merkel gegen Herrn Seehofer zu unterstützen oder umgekehrt. Pädagogen müssen in aller erster Linie überlegen, wie es konkret klappen kann, dass Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen ein gemeinsam friedliches Zusammenleben erlernen können. Das ist nicht erst seit der Flüchlingskrise eine wichtige Aufgabe. Denn in unserer mehr und mehr globalisierten Welt ist es für die Zukunft eigentlich gar nicht mehr vorstellbar, dass nur Menschen z.B. eines Glaubens in einem Land zusammenleben.

Nach ersten Überlegungen zum Fall Hasan sahen wir, dass ein zentrales Problem interkultureller Pädagogik darin besteht, dass das Zusammenleben von Menschenm aus unterschiedlichsten Kulturen und Religionen vor allem dadurch schwierig werden kann, dass unterschiedliche Lebenswahrheiten aufeinanderstoßen. Die unterschiedlichen "Götter" fordern von ihren Gläubigen Dinge, die im gemeinsam gelebten Alltag kaum zusammenpassen. Was die einen ganz normal tun, müssen die andern für zutiefst verachtenswert halten und umgekehrt. Dieses Phänomen führt seit von den Kreuzzügen bis zum sogenannten "Islamischen Staat" heute immer wieder zu Leid, Krieg und Tod. Dieser fatalen Falle müssen wir entkommen, dass die einen glauben, mehr oder gar den Zugang zu dem zu haben, was gut und böse bzw. wahr und unwahr ist.
Dazu machte bereits im Jahre 1779 Gotthold Ephraim Lessing in seinem Theaterstück "Nathan der Weise" mit seiner Ringparabel einen wegweisenden Vorschlag. Von diesem ausgehend wird über Dahrendorfs Überlegungen klar, dass das eigene freie Leben nur dann möglich ist, wenn die eigene Freiheit die Grenze an der Freiheit des Anderen findet und umgekehrt. Es kann bzw. darf nicht nur eine Wahrheit geben, es muss viele individuelle Wahrheiten geben, ansonsten ist friedliches interkulturelles Leben unmöglich. Wer für sich allein mehr Wahrheitsbesitz reklamiert, tut nur so, als ob er den besseren Gott kennt oder seinem Gott näher sei. In der Praxis geht es dabei letztlich immer um mehr Macht über andere Menschen. Weihrauch will dieses Machtbegehren vernebeln.

Diese Überlegungen und eine Anne-Will-Sendung zum Beschneidungsverbot führen zur Lektüre des Textes "Interkulturelle Pädagogik". Hier wird der oben dargelegte Gedanke detaillierter ausgeführt. Im Kern geht es um die These, dass das der freie Mensch sich die Frage von gut und böse bzw. von wahr und unwahr nicht von außen beantworten lässt, sondern nach Kant den Mut haben soll, sich zur Beantwortung dieser Frage seines "eigenen Verstandes zu bedienen". Ob wir frei zusammenleben hängt also nicht davon ab, ob uns einer diese Freiheit gewährt, sondern wir müssen immer wieder sie eintreten. Für Pädagigogen heißt dass, dafür zu sorgen, dass die bei uns Aufwachsenden zumindest in Kindergarten und Schule täglich erfahren, dass ein respektvoller gegenseitig freier Umgang bis zur Grenze der Freiheit des Anderen die coolere Lebensart ist, zu der ich mich freiwillig bekennen will, weil sie praktisch überzeugt. Klappts praktisch nicht, helfen auch alle Philosophien nicht, kein Lessing, kein Kant, kein Dahrendorf. Insofern ist vielleicht die Intergration eines Syrers, der mit großen Hoffnungen auf die Demokratie nach Europa kommt viel einfacher, als die Intergration eines Landbewohners in Mecklenburg-Vorpommern, dessen Demokratiefrustration so groß ist, dass der nur noch Hoffnung in die Rattenfänger der AFD-Oberen setzt. Das demokratische Zeitalter geht dann zu Ende, wenn keiner mehr wirksam dafür sorgt, das Demokratie klappt, funktioniert bzw. praktisch überzeugt. Das wird auch an diesem Aufmacher der Wochenzeitschrift "DIE ZEIT" vom 4.8.16 krass deutlich.

Der im Haupttext "Interkulturelle Pädagogik" entwickelte Gedankengang führt dann auch noch Seyran Ates und Navid Kermani, eine Muslima und ein Muslim, von denen wir in Sachen Demokratie und Interkulturalität viel lernen können.

Fall Hasan, S.446
Migration über Generationen
Ringparabel
Youtube-Ringparabel
Lessing - Dahrendorf

Anne Will:
Beschneidungsverbot

Beschneidungsparagraph

Interkulturelle Pädagogik
Vorschlag trankultureller Werte

Karikatur

DIE ZEIT
Was stärkt die Autoritären?

Seyran Ates:
Text
Folien

Navid Kermani:
Friedenspreis des
deutschen Buchhandels

Video
Zusammenfassung

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