Q2-PA-L1-18 (Vorjahr)

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(2) Demokratische Schule
In unserer globalisierten Welt ist interkulturelle Pädagogik kein Teilgebiet der Pädagogik mehr. Denn allgemeine Pädagogik ist heute immer gelichzeitig auch interkulturelle Pädagogik. Wenn es uns auf Dauer nicht gelingen wird, in einer Welt, in der unterschiedlichste kulturelle Wahrheiten aufeinandertreffen, erfolgreich zu beweisen, dass es einen Weg des klugen Kompromisses gibt, in dem jeder mit seiner Wahrheit ein Chance zur Integration hat, dann wird die demokratische Lebensform auf Dauer nicht überleben. So ist einerseits größte Toleranz erforderlich, aber andererseits auch ebenso klar, dass es Toleranz für hartnäckig Intolerante nicht geben kann. Denn die Freiheit des Einen hört da auf, wo die des Anderen beginnt.
Schulpädagogisch folgt daraus die Frage, wie muss eine Schule verfasst sein und funktionieren, die gelingende demokratische Praxis erlebbar macht. Dass das Erleben einer gelingenden demokratischen Praxis sich nicht in Klassensprecherwahlen erschöpfen kann, ist uns schon klar geworden und irgendwie gab es das Gespür dafür und die Forderung dazu, dass es auch möglich sein müsste, dass es gelingt, dass z.B. Schülerinnen und Schüler (SuS) zusammen mit Eltern sich gegenüber Lehrerinnen und Lehrer (LuL) durchsetzen können oder auch LuL und SuS gegen die Eltern oder eine Mehrheit unter allen Gruppen der Schulleitung einen Auftrag gibt, auf den diese so selbst nicht gekommen wäre. Dazu nun:
Lawrence Kohlberg: Just Community und Stufen Moralentwicklung
Mit der "Just Community" ist Kohlbergs Theorie einer Schule in Blick, in der es passend zu unserer Theorie einer gelingenden demokratischen Praxis um eine Schulverfassung geht, die genau diese gelingende Praxis im Zielfokus hat. Dass es nicht "Democratic Community" heißt, sondern das Adjektiv "just" lautet, kommt im Kohlbergschen Zusammenhang daher, dass er seine Theorie der Moralentwicklung in der "Just Community" gespiegelt sehen möchte. Am Ende der Kohlbergschen Moralentwicklung steht ein eigenständig ethisch-moralisch denkender und handelnder Mensch, der einerseits eine eigene moralische Grundsätze begründet vertritt und andererseits auch moralischen Kompromisse der Gemeinschaft zustimmt. Aus unserer Sicht interkultureller Pädagogik könnte man sagen, das "Endprodukt" hat eine reflektierte eigene Moral bzw. seine eigene Wahrheit und ist zudem in der Lage, genau das Anderen auch zuzugestehen und entsprechend Kompromisse zu schließen, die seine individuelle Freiheit an der Grenze der individuellen Freiheiten der Anderen enden lässt.
Ausblick: Zusätzlich wird im Zuge der Moralentwicklung deutlich, dass o.g. "Endprodukt" sich langsam entwickelt. Hier wird es eine Fülle von Parallelen zu unseren Theorien der demokratischen Identitätsentwicklung geben, z.B. zu Hurrelmann und zu Mead, geben. Darüberhinaus wird sich mit Fend soziologisch die Frage stellen, welche Funktionen von Schule gesellschaftlich existieren und wie sich alles bislang Besprochene dort widerspiegelt.
Danach werden wir das bislang erworbene Wissen historisch einordnen und festigen, indem wir es auf das Abithema: "Erziehungsziele und Erziehungspraxis in der Bundesrepublik Deutschland 1949-1989" beziehen. Dazu werden wir zunächst einen Blick in das NS- und DDR-Schulsystem.
Was das für die pädagogische Professionalisierung vor allem im Vorschulbereich bedeutet, ist dann eine weitere Frage, die alles im Bildungsbegriff bündelt.
Mit diesen Infos macht es dann langsam einmal Sinn, in die inhaltlichen Vorgaben für Euer Abitur zu gucken. (s.a. ganz oben rechts)

Gibt es auch Grenzen?


Kohlberg:
Just Community
Text + Präsentation

Verfassungskizzen:
BRD
Ihr zur Kohlberg

Verfassung einer
demokratischen Schule


Bezüge zu Kohlbergs
Just Community



Kohlberg:
Moralentwickung
Text + Präsentation

Dilemmata

(1) Interkulturelle Pädagogik - Demokratie und Pädagogik
Wenn demokratische Identitätsentwicklung so erfolgen muss, wie wir es in der Q1 gipfelnd bei Hurrelmann gesehen haben, stellt sich nun die Frage, wie das heute in unserer globalisierten Welt mit Migration und wachsendem Nationalismus klappen kann.
Im Blick auf den Fall Hasan gab es folgende Erkenntnisse:
(a) Migration ist ein Mehrgenerationen-Projekt
(b) Interkulturelle Pädagogik muss möglichst früh im Leben junger Migranten dafür sorgen, dass sie mit unserer Sprache und unseren kulturellen Werten in Kontakt kommen.
(c) Wenn bei uns jeder seine eigene Wahrheit bis zur Grenze der Freiheit des Anderen leben darf, dann darf es bei der Integration von Migrantenkindern nicht dazu kommen, dass sie sich zwischen ihren Eltern und uns entscheiden müssen.
(d) Nur wenn wir, die Toleranten, den Weg zu klugen Kompromissen ebnen, kann es gelingen.
Will man diese ersten Überlegungen etwas tiefer fundieren, kann man mit Immanuel Kant und Ralf Dahrendorf beginnen. Kant macht uns klar, dass wir, sofern wir uns von Anderen lenken lassen, uns in "selbstverschuldeter Unmündigkeit" befänden. Aus dieser befreie uns nur der Mut, sich unseres eigenen Verstandes zu bedienen und Einspruch und Widerspruch zu erheben. Dahrendorf - so könnte man sagen - ergänzt, dass immer dann, wenn die eine Wahrheit gefunden würde, also Gewissheit herrsche, die Freiheit beendet sei. Nur die prinzipielle Ungewissheit, dass keiner den einen bzw. den besten Wege erkennen könne, mache letztlich demokratische Freiheit möglich. Wollen wir also demokratisch zusammenleben, dann darf es niemandem geben, dem zugestanden werde, bessere Erkenntnisse als alle Anderen zu haben.
Andersdenkende zu achten, ist in dieser Sicht klug, weil Vielfalt bei der Suche nach dem besseren Weg hilfreich ist. Auf Einfalt zu setzen führt hingegen in die "selbstverschuldete Unmündigkeit". Journalisten, die z.B. in der Türkei oder im Iran, den Mut hatten, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, sitzen im dort Gefängnis.
Unsere ersten Folgerungen für die pädagogische Praxis weisen in die Richtung, dass es nicht nur darauf ankommen kann, demokratisches Wissen zu vermitteln und in Tests abfragbar zu machen, sondern:
Wir müssen eine gelingende demokratische Praxis erlebbar machen.
Dazu arbeitet ihr nun an der Aufgabe, was entsprechend zu tun ist, wenn folgender Fall eintritt. In einer 9ten Klasse steht eine Klassenfahrt in eine 80km entfernte Jugendherberge an. Der Vater eines muslimischen Mädchens verbietet seiner Tochter die Mitfahrt, weil in der Jugenherberge auch die Jungen übernachten. Die Tochter möchte zu gerne mitfahren, aber sie liebt auch ihren Papa. Wie muss hier eine gelingende demokratische Praxis vor allem für die Tochter inszeniert werden?
Vorschläge: Dazu gab es viele Vorschläge von Euch. In vielen Vorschlägen wurde so lange mit dem Vater geredet, bis dieser klein beigegeben hat. O.k., dann ist das Problem gelöst. - Spannender und typischer für gute interkulturelle Pädagogik ist allerdings die Lage, wenn der Vater aus Glaubensgründen nicht glaubt, nachgeben zu können. Dann sitzt die hier geborene Tochter zwischen allen Stühlen, es gibt für sie nur schwarz oder weiß. Genau das darf in guter interkultureller Pädagogik nicht passieren, wenn es klug sein soll, davon auzugehen, dass weder Schwarz noch Weiß ganz Recht hat bzw. dass es nicht die eine Wahrheit gibt.
Die Tochter muss erleben, dass es mit zwei Wahrheiten eine praktische Lösung geben kann: Im vorliegenden Fall, der so auch konkret geschah, verlegte der Lehrer die Klassenfahrt in eine nahegelegene Jugendherberge und fuhr die Tochter abends nach Hause und holte sie morgens vor dem Frühstück wieder ab. Die Tochter saß nicht zwischen allen Stühlen. Sie erfuhr, dass in gegenseitig respektvollen demokratischen Zusammenhängen sie gute Tochter und integrierte Mitschülerin sein konnte. Zum Vater ergab sich in der Folge ein gutes Verhältnis. Auch er schätzte den Respekt, den er erfuhr. Bei der Abschlussfeier räumte er ein, dass von ihm klüger gewesen wäre, die Tochter selbst zu fahren, denn an dieser Stelle sei der kompromissbereite Lehrer bei der Tochter besser "weggekommen". "Genau!", hat sich der interkulturelle Pädagoge gedacht, "Ansonsten hätte ich sie auch nicht gefahren." Denn Integration in die demokratische Gesellschaft heißt, dass erlebbar sein muss, dass Respekt vor anderen Wahrheiten praktisch erfolgreich gelebt werden kann. So wird man zwanglos aus Überzeugung Demokrat. Dass schafft kein Einbürgerungstest bzw. kein spezieller Wertekundeunterricht, der nur Wissen vermittelt und kein erfolgreiches Gelingen fächerübergreifend inszenieren kann.
Zusatzaufgabe:
Lest den Text der Rede von Navid Kermani, die dieser zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels gehalten hat. Identifiziert den Absatz, der das Thema, den Anderen zu respektieren bzw. die Haltung des "Du-könntest-auch-Recht-Haben" noch weiter und auf die die Spitze treibt. Reicht dazu ein Blatt oder eine Mail ein, die aus der hier entwickelten Sicht zur interkulturellern Pädagogik authentisch begründet, warum genau das der identifizierte Absatz tut.

 

Drei Bilder dazu:
Religion
Leben
Politik


Zwei Fallbeispiele:

Kursbuch S. 447ff + 450ff
Zentrale Texte
eins zwei
Präsentation dazu
erste Folgerungen


Ganz aktuell:

Das Gegenbild: Kern des Bösen
Text - Folie















Zusatzaufgabe:

Navid Kermani:
Rede zum Erhalt des Friedenspreises des deutschen Buchhandels
Video

(0) Anknüfung an die die Q1
In der Q1 haben wir zum Schluss die Theorie von Klaus Hurrelmann bearbeitet und anhand unseres Begriffsnetzes zu Hurrelmann zweierlei in den Blick genommen. Zum einen stellten wir fest, dass Hurrelmann gut die "Deckeltheorie" zur Q1 darstellen kann. Alle besprochenen Zusammenhänge laufen unter dem Dach des Hurrelmannschen Denkens zusammen und zeigen uns so zum anderen, welche Qualitäten eine demokratische Identitätsentwicklung in Eurere Jugendzeit mit sich bringen muss. Vier Aufgabenbereiche stellen sich: (1) Qualifizieren, (2) Binden, (3) Konsumieren und (4) Partizipieren. Ihre Bewältigung muss durchdrungen sein von Eurer Selbstorganisation, Eurer produktiven Realitätsverarbeitung, Eurer eigenständigen Lebensführung und somit Eurer schöpferischen Konstruktion Eurer Identität im Wechselspiel von Individuation und Integration.
So starten wir in die Q2 und hören Eure Vorträge zur Zusammenfassung der Q1 unter dem Dach des Hurrelmannschen Denkens.
 

Hurrelmann Begriffsnetz
Eure Vorträge:
AnnaZ+CelinaWo
Lenon+Sophie

Plakat + Referat
Simon+Nicola
Donjeta+Lea

Plakat + Referat
Anika+Leyla
Raphaela+Vanessa

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Jule+Katharina+Joanna
AnnaB+Leonie

Plakat + Referat
Alicia+Nina+CelinaWi
Josee+Nick

Plakat + Referat

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