Q2-PA-LK-19 (Anmeldeformular: Lernwochenende)

Einfügezeile
Text

Link

(5) Funkton von Schule nach Fend
Nach allen Überlegungen zu Demokratie und entsprechender Bildung und Erziehung in Schule und Familie nehmen wir nun aus soziologischer Sicht die Funktion der Schule in der Gesellschaft in den Blick.  Im Felde der bürgerlichen Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hat die Schule eine schwierige Aufgabe. Denn ihre Funktion, der nachwachsenden Generation so in die Gesellschaft hineinzuverhelfen, dass sich das bürgerlich Demokratische fortschreibt, kann nur erfüllt werden, wenn es gelingt, auch einander widersprechende Funktionselemente zu integrieren. Hier spiegelt sich vielfach das, was wir in der Debatte um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit besprachen: Die Gleichheit aller stößt sich an der Freiheit aller. Die aus Freiheitsgründen aller resultierende Ungleichheit mit Brüderlichkeit auszugleichen, kann zuviel Geschmack gewährter Caritas haben usw. .....
Einschub: Pisa2018: Wenn es darum geht zu überprüfen, ob in in der gesellschaftlichen Veranstaltung Schule auch demokratische Prinzipien möglichst gut umgesetzt werden, dann kann ein Blick in die letzten Pisa-Studien-Ergebnisse weiterhelfen. Denn in den Pisa-Studien geht es nicht nur darum, wie deutsche Schüler*innen im Leseverständnis, in Mathematik und Naturwissenschaften im Vergleich zu anderen Industrieländern abschneiden, sondern auch darum, wie sehr im deutschen dreigliedrigen Schulsystem das demokratische Prinzip der Chancengerechtigkeit umgesetzt ist. Hier erhält im internationalen Vergleich Deutschland seit vielen Jahren ziemlich schlechte Noten. Außerdem müsste der Exportweltmeister Deutschland in Mathematik und Naturwissenschaften deutlich besser dastehen und nicht wieder relativ schlechter werden. Denn der Wohlstand Deutschlands gründet sich in wirtschaftlichem Vorreitertum. Dieses gründet sich zentral in einer TOP-Bildung unserer nachwachsenden Generation. Denn mit Rohstoffreichtum aller Art sind wir nicht ausgestattet.

(4) Prinzipien der Erziehung im Nationalsozialismus am Beispiel der Jugendorganisationen HJ und BDM
Unsere bisherigen Themen drehten sich alle im Kern um die Bedingungen der Möglichkeit, das Ziel demokratischer Mündigkeit zu erreichen. Genau das hatte der Nationalsozialismus nicht im Visier. Die Anhänger des Nationalsozialismus steigerten sich in einen Führerkult, der zum Holocaust und in den 2. Weltkrieg führte. - Wie das geschehen konnte, ist eine extrem komplexe Fragestellung, die aus der Perspektive vieler Fächer zu stellen wäre, um zu einem Ergebnis zu kommen, das umfassend dabei helfen kann, das nach dem 2. Weltkrieg geschworenen "Nie wieder" zu ermöglichen.
Der Beitrag des Faches Pädagogik ist, mit dem Blick auf das "Nie wieder" zu klären, wie das NS-Bildungs- und Erziehungssystem vorging, um Menschen dazu bringen zu können, das ganz aktiv dabei mitzuwirken, das Grauen des Holocaustes und des 2. Weltkrieges real werden zu lassen.
Die NS-Pädagogik musste dazu größten Einfluss auf die junge Generation nehmen. Dieser Einfluss war aus NS-Sicht nur zu gewinnen, wenn der Einfluss der Familien deutlich zurückgedrängt wurde. So kam es zur Hitlerjugend und in der Hitlerjugend zum BDM (Bund Deutscher Mädel). Auf vielfältige Art und Weise wurden in diesen Organisationen vor allem in Zelt- und anderen Lagern glühende Nazis "produziert".

Aus unseren bisherigen Überlegungen, in denen es vor allem darum ging, aufzuzeigen und nachzuvollziehen, was zu tun ist, damit aus dem kleinen, noch von den Eltern abhängigen unmündigen Wesen ein selbständiger und eigenverantwortlicher Erwachsene wird, ergaben sich aus der Pädagogik Forderungen an die Politik, wie sie diesen Weg zur Mündigkeit gestalten sollte. In unserer Betrachtung zu HJ und BDM wird das genau umgekehrte sichbar. Die Politik bzw. die NS-Ideologie gibt für die Pädagogik vor, wie das Individuum nicht zu sozialverantwortlicher Eigenständigkeit kommt, sondern wie es - sehr gut auch im Lager - zu dem Wesen geformt wird, das letztlich verinnerlicht: "Ich bin nichts, mein Volk ist alles".
(a) Nach Erikson ist das individuelle Malignität und Maladaption der Gruppe.
(b) Aus der Perspektive Hurrelmanns ist nicht produktive Realitätsverarbeitung zwischen den Polen von Individuation und Integration, sondern eigentlich nur Integraton und anpassende Realitätsverarbeitung.
(c) Nach Mead wird jede I-Reaktion, jedes role-making unterdrückt, während role taking und übermächtige ME-Zuschreibungen das SELF in die Abhängigkeit führen.
(d) Das von Norbert Lammert geforderte kunstvolle Verhältnis von Konflikt und Konsens wird nie erreicht, da weder Konflikt, noch Konsens eine Chance haben, sondern widerspruchsloser Gehorsam verlangt ist.
(e) Gleiches gilt auch für die von uns in den Blick genommenen elementardemokratischen Fähigkeiten und Bereitschaften, die einer entsprechend gelingenden demokratischen Praxis entspringen sollen. Die NS-Praxis im Lager injeziert die Vorgaben von außen in die Lagerpraxis, die an der Praxis Beteiligten haben keine Chance, auch nur irgendetwas mitzubestimmen.
(f) Mit Blick auf unsere Klafki-Überlegungen ist auch festzustellen, dass die Inhalte der Lagererziehung Unter- und Einordnung und eben nicht Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität zum Ziel haben.

Film zum Einstieg
Birkenau/Auschwitz
Theresienstadt
Kamp Vught
Auschwitzfahrt 2018
Erziehung/Formierung im Lager
Anfangsbetrachtungen
1. Arbeitsrunde: (I) und (II)
Ergebnis
2. Arbeitsrunde
Ergebnis
3. Arbeitsrunde
kommentierte Ergebnisse

Abschlussbetrachtung

Lektüreempfehlung
Ruhrpiraten
(Bestellen)

(3) Demokratische Schule am Beispiel der Just-Community-Konzeptes von Lawrence Kohlberg mit Blick auf Kohlbergs Theorie zur Moralentwicklung
Das, was wir im Zusammenhang der interkulturellen bzw. Demokratiepädagogik schon mit Blick auf "Urvater" Lessing sahen, dass der Mensch zunächst einmal in der Wertewelt seine Eltern eine erste Wahrheit übermittelt bekommt, die für ihn absolut gilt und die noch nicht hinterfragbar ist, begegnet uns auch in der Kohlbergschen Moralentwicklung. Der Startpunkt ist eine Wahrheit. Am Ende der Entwicklung soll jedoch jemand stehen, der von einer persönlich festen ethischen Position aus sich in die gesellschaftliche Frage mitwirkend einmischt, was für alle als gut und böse, richtig und falsch bzw. erlaubt und unerlaubt ist. Kohlberg beschreibt diesen Weg von aufoktroyierter Moral zu einer eigenständigen Moral in sechs Stufen.
Diesen Weg zur Eigenständigkeit stellt Kohlberg in ein Verhältnis zu seiner Just Community. Mit Worten aus der interkulturellen Pädagogik könnte man sagen, Kohlberg "inszeniert" mit seinem demokratischen Schulkonzept "eine gelingende Praxis". in der die o.g. Eigenständigkeit sich frei entwickeln kann. Aus Meads Sicht könnte dieser Weg als einer beschrieben werden könnte, wie in und aus "sozialer Interaktion" eine Moral entsteht, die sich im steten Wechselspiel von ME- und I-Anteilen allgemein und individuell fortentwickelt.
Übungen: In diesen Zusammenhängen, in denen unterschiedlich ausgerichtete Theorien daraufhin zu untersuchen sind, ob sie einander ergänzen, einander widersprechen oder trotz unterschiedlicher Perspektive dennoch in die gleiche Richtung weisen - in diesen Zusammenhängen haben wir die Methode angewandt, mittels einer Tabelle (Theorie1 in den Zeilenköpfen und Theorie2 in den Spaltenköpfen) hinreichend viele Schnittpunkte zwischen den Theorien ausfindig zu machen, die uns dann in die Lage versetzen, anhand mehrerer Unterpunkte zu einem differenzierten und abwägenden Ergebnis in der Theoriezusammschau zu kommen.
Folgerungen: Unter dem urdemokratischen Aspekt der Gewaltenteilung rückt dann, nachdem die Just Community mit Interkultureller bzw. Demokratiepädagogik, mit Meads Identitätsentwicklungstheorie und Heitmeyers 5 Jugendaufgaben verbunden wurden, eine demokratische Schulverfassung in den Blick, in der sich Kohlbergs Prinzipien und Organisationsvorschläge wie Gemeinschaftsversammlung, Vermittlungsausschuss und Vorbereitungsgruppe spiegeln.

Moralentwicklung:
Wir und das Böse:
Warum wir hassen?

Grundlagentext
Präsentation
Soziopd.de
Just Community:
Grundlagentext
Präsentation
Bezug zu interkultureller
bzw. Demokratiepädagogik

weitere Bezüge/Übungen:
Just Community + Mead
Just Community + Heitmeyer

Folgerungen
JC+Gewaltenteilung
Kiras Skizze
demokratische Schulverfassung
und
JC-Prinzipien darin

Erfolgreiche Reformschulen
Link
Link
(Wdh.-Einschub:
Hurrelmann: Produktive
Realitätsverarbeitung
eins - zwei- drei - vier -fünf)

(2) Bildung als Ausbildung von Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit bei Wolfgang Klafki
Wenn bislang um eine demokratisch gelingende Praxis ging, in der freiwillig demokratische Überzeugungen wachsen können, akzentuiert sich mit Wolfgang Klafki in diesem Zusammenhang, die Frage nach entsprechend geeigneten Bildungsinhalten und Methoden. Es geht also um die Frage, welchen Inhalten ein Gebildter wie begegnet sein sollte, damit Bildung als Ausbildung von Selbstbestimmungs-, Mibestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit gelingen kann.
Mit Worten aus (1) stellt sich so die Frage, welche Bildungsinhalte fördern wie behandelt eine gelingende demokratischen Praxis, die zu "elementardemokratischen Fähigkeiten und Bereitschaften" führt und diese prägt.
Mit Worten aus (2) und speziell dem Thema Just-Community stellt sich so die Frage, welche Kriterien angelegt werden solllten, damit die Abstimmung darüber, was wie gelernt werden sollte rational begründet zu einem Konsens in der Just Community gebracht werden kann bzw. Inhalte und Methoden gewählt werden, die den Gedanken der Just Community nicht konterkarieren.

Klafki für Einsteiger:
Youtube (a) (b) ((c) und (d))
Präsentation
Weitere Darstellung
Zentrale Begriffe
Klafki für Fortgeschrittene:
Grundlagentext + Vortrag
Präsentation
Gegenwartsbezüge
(a) (b) (c)
Klafki, kompakt

(1) Interkulturelle Pädagogik - Demokratiepädagogik
Nach den zahlreichen Theorien zu Identität, Entwicklung, Sozialisation und Erziehung in der Q1 rücken nun Fragen in den Blick, wie man dann auf diesem Hintergrund unsere Werte, Normen und Ziele in Erziehung und Bildung in den unterschiedlichen Bildungsinstitutionen professionell umsetzt (s. dazu auch EW-Vorgaben 2020).
Dazu starten wir zunächst mit zwei Fallbeispielen, die deutlich machen, dass Migration stets ein Mehrgenerationenprojekt ist, das je nach sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und religiöser Distanz zum Einwanderungsland oftmals erst dann erfolgreich abgeschlossen werden kann, wenn hier geborene Kinder von Anfang auch unter "Kartoffeln" aufwachsen. - Als Kernproblem kann u.a. festgemacht werden, dass "Wahrheiten", die im Herkunftsland mitunter seit Generationen so gelten, hier bei uns nicht so einfach zu den Akten gelegt werden können. Hier aufwachsenden Kindern muss jedoch - spannende Frage: Wie? - erlebbar vermittelt werden, dass es unter demokratischen Verhältnissen möglich ist, das Leben der Menschen, die von den unterschiedlichsten Wahrheiten ausgehen, friedlich zusammenzuführen.
Der demokratische Denkansatz geht von Lessings Ringparabel und der dort schon im 17. Jahrhundert propagierten Position aus, sich in die Unerkennbarkeit der einen Wahrheit zu fügen. Dies spiegelt sich auch in der Formel:

Eine Wahrheit : Unfreiheit = viele Wahrheiten : Freiheit     bzw. in der Dahrendorfformel:    Wahrheit : Unfreiheit = Ungewissheit : Freiheit

Dieses spiegelt sich auch in der Anne-Will-Diskussion zum Beschneidungsverbot. Dort treffen nicht kompromissbereite Positionen, die von einer umumstößlichen Wahrheit ausgehen, auf solche, die nach einem Kompromiss suchen. Die Folgerung daraus - analog zur o.g. (Dahrendorf-)Formel - ist, dass freies demokratisches Zusammenleben nur unter der Annahme der Existenz vieler Wahrheiten bzw. unter der Annahme pronzipieller Ungewissheit denkbar ist. So kommen wir zu ersten Folgerungen.
Um diese noch weiter ausdifferenzieren zu können, blicken wir zurück in die Q1 und zum Rollenlernen nach George Herbert Mead. Mead ist der Auffassung, dass alle Bedeutung aus sozialer Interaktion entsteht, also aus der Mitte der sozialen Gemeinschaft heraus definiert wird. Das gilt für abstrakte Begriffe wie z.B. "Treue", für die gleiche "Kuh", die hier Schlachtvieh und in Indien heilig ist, und gilt so auch für Dich, der Du Deine Rolle in der Gesellschaft in der Auseinandersetzung zwischen ME-Zuschreibungen und I-Reaktionen darauf findest und so zu Deinem SELF kommst. In dieser Sicht ist Dein Mitmensch, dein natürlicher Freund, ohne den in Deiner Gemeinschaft kein SELF zustande kommen könnte. Viele Menschen sehen das anders: Für sie sind Anderen stete Verhinderer des eigenen Ich. Sie drängt es auszurufen: "Wenn die Anderen doch nicht wären, dann könnte ich original ich selbst sein."
Insofern passt die Meadsche Sicht auf das Kommunikationswesen Mensch, Deinen natürlichen Freund, gut zu dem hier entwickelten demokratischen Kerngedanken, der die einzelnen mit ihren ungewissen Positionen so zusammenbringen will, dass sie untereinander die je aktuell beste gemeinsame Position rational ermitteln können und wollen. Das Meadsche Kommunikationswesen kann von seiner Anlage her Demokratie.

Zwei Fallbeispiele
(dazu: Texte a und b und c)
Youtube: Anne Will:
Beschneidungsverbot

(dazu: Text a)
Anne-Will-Mindmap
Youtube: Ringparabel
Satz erster Folgerungen
(Wdh.-Einschub:
Mead: "Demokratiewesen"
weitere Folgerungen:
(a) - (b) - (c)
Soziopod.de)

zusammenfassender Text:
Interkulturelle bzw. Demokratie-
Pädagogik

ETC:
Denkwürdig

Einfügezeile
Text

Link